„Reinzeichnung kostet extra?“ Unprofessionell wird teurer.

 In Corporate Design & Branding, Selbst & Ständig
Verfasst 8. Mai 2024 · Aktualisiert 15. September 2026

Immer wieder machen Geschichten darüber die Runde, wie teuer die Entwicklung eines Corporate Designs oder auch „nur“ eines Logos ist. Dabei geht es meist um große Konzerne oder gar Unternehmen, die an der Börse dotiert sind. Dabei entsteht gerne der Eindruck, dass professionelles Design zu teuer ist. Um nicht zu sagen, komplett abgehoben und überzogen.

Woher kommt das?

Du machst Dir keine Vorstellungen, welche Köche dabei alles so meinen, ihr Salz in die Suppe zuschütten. Allein als Schmerzensgeld für die beteiligten Kreativen sind die Kosten in der Regel gerechtfertigt. Manchmal dauert es mehrere Jahre, bis ein Logo so weit ist, dass es als fertig betrachtet wird. Dabei gibt es auch immer wieder Reinfälle. Egal, wie viel Erfahrung die Gestaltenden haben und wie viel Wissen sich in ihnen angesammelt hat. Urplötzlich fällt der Geschäftsführung ein, dass Rot doch besser wäre als Blau. Eventuelle Bedenken werden abgetan und Rot gewählt. Großer Tanz mit Pressekonferenz zur Veröffentlichung des neuen Logos und die Schlagzeile am nächsten Tag lautet: „1,5 Millionen für ein abgestochenes Huhn!“ Oder so in der Art. Doch selbst wenn nichts schiefgeht, gibt es immer wieder Schlagzeilen dieser Art.

„Skandal: Maler verdient mit fünf Strichen 100.000 Mark“ (https://www.designtagebuch.de/der-schraegstrich-im-quadrat-wird-40/) war eine der Schlagzeilen, als 1974 die Deutsche Bank ein neues Logo bekam. Das ist ein paar Tage her, aber eines der wenigen Beispiele, bei denen man zu wissen glaubt, wie viel Geld die Entwicklung gekostet hat. Viel. Zu viel. Dass hinter diesem Logo ein Wettbewerb und schließlich ein zwei Jahre dauernder Entwicklungsprozess steckte, wird dabei gerne vergessen.

In solchen Artikeln begründet sich die Annahme, dass wir Kreativen komplett überschätzt und viel zu teuer sind und die künstlerisch begabte Nachbarstochter wenigstens genauso gut ist. Sie ist aber mit einem Eis zufrieden.


Warum wird sich die Ersparnis nicht rechnen?

Vorweg gehe ich davon aus, dass Du nicht die Geschäftsführerin eines börsennotierten international tätigen Unternehmens bist, sondern allein oder mit einem kleinen Team auf dem Weg bist, dazu zu werden. Vielleicht ist auch nicht das Dein Ziel, sondern einfach zu machen, was Du gut kannst und damit Dich und Deine Lieben zu ernähren. Dann befindest Du Dich in guter Gesellschaft. Das ist auch mein Plan.

Die Entwicklung und Umsetzung Deines Corporate Designs wird kein Einfamilienhaus mit Pool kosten, sondern vermutlich eine mittlere vierstellige Summe. Immer noch viel Geld. Da ist das Eis für das Nachbarskind ungeschlagen günstig. Sehe ich ein.

Was kostet schlechte (oder fehlende) Reinzeichnung?

Reinzeichnung klingt nach einem kleinen, technischen Randschritt. Ist sie aber nicht. Genau hier entscheidet sich, ob dein fertiges Design am Ende so aussieht, wie du es dir vorgestellt hast oder ob es teuer nachgebessert werden muss.

Ein Beispiel, das mir ständig begegnet: Ein fertiges Logo soll digitalisiert und für alle Kanäle aufbereitet werden. Das dauert im Schnitt etwa zwei Stunden und schlägt mit rund 450,00 € zzgl. MwSt. zu Buche. Klingt erst mal nach zusätzlichen Kosten obendrauf.

Die Rechnung dreht sich aber um, sobald dieser Schritt übersprungen wird:

  • Ein Logo, das nur als verpixeltes PNG existiert, sieht auf einer Broschüre plötzlich verschwommen aus. Es muss kurz vor Drucktermin unter Zeitdruck neu aufgebaut werden.
  • Farben, die im RGB-Farbraum entworfen wurden, wirken gedruckt (CMYK) blass oder ganz anders. Im schlimmsten Fall bemerkt man das erst am fertigen Druckprodukt.
  • Fehlender Beschnitt oder Sicherheitsabstand führt zu weißen Rändern oder abgeschnittenen Elementen. Eine Nachauflage kostet dann schnell ein Vielfaches der ursprünglichen Reinzeichnung.
  • Nicht eingebettete Schriften springen bei der Druckerei plötzlich auf eine Standardschrift um und das merkt oft niemand vor dem Druck.

Jeder dieser Punkte kostet am Ende mehr Zeit – und damit Geld – als eine saubere Reinzeichnung von Anfang an. Nur eben zu einem Zeitpunkt, an dem es schon zu spät ist, günstig gegenzusteuern.


Und falls du ein komplettes Corporate Design brauchst?

Falls es bei dir nicht nur um ein bestehendes Logo geht, sondern um ein komplettes Corporate Design, mit Logo, Schrift und Farben, lohnt sich ein grober Richtwert: Rechne mit rund 32 Stunden Arbeitszeit. Darin steckt die Recherche und Ideenfindung fürs Logo, die Auswahl einer rechtlich sauberen, gut lesbaren Schrift und eine Farbwelt, die im Druck genauso funktioniert wie auf dem Bildschirm. Klingt nach viel, deckt aber ziemlich genau das ab, was am Ende tatsächlich gebraucht wird, damit alles zusammenpasst.


Wie lange würdest Du brauchen?

Web-Tools mit fertigen Vorlagen

Rechnen war mal dagegen, wie viel Zeit es Dich kosten würde, nur die Basics zu recherchieren und zu lernen. Professionelle Ergebnisse benötigen die entsprechenden Programme. Ich weiß, dass Canva und Co. gerne versprechen, die Lösung zu sein. Tut mir leid, dass so deutlich sagen zu müssen, sind sie nicht. Das gilt auch für Adobe Express*, welches ich bevorzuge und für das bessere Tool auf dem Markt halte.

Diese Programme sind für vieles, was sich online abspielt, super. Sobald Du in einer europäischen Druckerei drucken lassen willst, wird es schwierig. Die Druckereien haben sich angepasst. Dennoch führt es immer zu Qualitätsverlusten, die nicht nötig sind. Und selbst wenn das Ergebnis auf dem Bildschirm gut aussieht, fehlt meistens noch der letzte, entscheidende Schritt: die technische Aufbereitung fürs Druckformat, das, was ich Reinzeichnung nenne. Ohne den bleibt ein Canva-Entwurf ein Canva-Entwurf, aber noch keine druckfertige Datei.

Egal, auch wenn Du mit einem webbasierten Tool Deine Entwürfe machen willst, benötigst Du wenigstens zwei Wochen, um die Basics wirklich zu beherrschen und dazu viele Videos und Kurse. Dein Vorteil dabei, Du lernst es einmal und kannst es dann, wenn Du es regelmäßig nutzt. Damit ist ein Monat weg, ehe Du so weit bist, wirklich an die Gestaltung gehen zu können, weil Du weißt, was geht.

Die Profi-Programme

Die Profi-Programme sind da eine andere Nummer. Adobe InDesign* habe ich mir selbst beigebracht, weil ich einen Auftrag haben wollte. Damals war in vielen Agenturen Quark Xpress noch das Programm der Wahl, was sich mit der Einführung von Mac OSX und der Verbesserung von InDesign schnell geändert hat. Ich wollte diesen Auftrag und habe mich in das Programm reingearbeitet. Mein Vorteil dabei war, dass ich schon andere Programme beherrschte und neue schnell verstehe, wenn ich die Grundfunktionsweise einmal verstanden habe. Dafür allein habe ich knapp zwei Wochen gebraucht, den Auftrag bekommen und dann gelernt es im benötigten Rahmen zu benutzen.

Der Auftrag zog sich über ein halbes Jahr. Danach war ich selbstbewusst genug zu sagen, ich kann InDesign. Bis heute, fast zwanzig Jahre später, würde ich nicht behaupten, dass ich alle seine Funktionen bis ins Detail kenne. Du kannst mich aber, egal wann, aus dem Tiefschlaf holen, damit ich Dir passende Druckdaten wofür auch immer erstelle. Ähnliches gilt für Photoshop, Illustrator und Acrobat

Recherche von Farben und Schriften

Wo ich die zu Dir passenden Farben und Schriften finde, weiß ich, ohne lange nachzudenken. Da haben wir alle so unsere Methoden. Während Du Dich erst in das Thema Farbwirkung und -räume einlesen musst, wissen wir alle um die grundsätzlichen Ideen und Probleme dahinter. Was eine lesbare Schrift ausmacht und wie man sie richtig einsetzt, wissen wir, ohne zu überlegen, und oft suchen wir eher instinktiv die richtige raus. So wie Du vielleicht genau weißt, welches Kleid Deiner Kundin steht, ohne es begründen zu können. 


Du bekommst viel mehr

Die Grundlagen für dieses Wissen wurden bei uns in der Ausbildung gelegt. Fortbildungen und Erfahrung haben es verfeinert – von der Gestaltung selbst bis zu den technischen Feinheiten der Druckvorstufe: Farbräume, Dateiformate, Auflösungen, all das, was am Ende darüber entscheidet, ob eine Datei wirklich druckfertig ist. Ganz nebenbei kommt da noch ganz viel Kleinkram dazu, der sich gar nicht so genau erklären lässt. Den Grundaufbau eines Flyers mit den richtigen Maßen mache ich Dir in zehn Minuten. Die Inhalte einzufügen benötigt wesentlich länger, keine Frage. 

Wenn Du eine Kollegin oder mich für unsere Arbeit bezahlst, zahlst Du nicht nur unsere Zeit, sondern auch ganz viel Wissen und Erfahrung, was Du Dir mühsam zusammen sammeln müsstest. Ganz nebenbei sind wir auch selbstständig und oft in Netzwerken aktiv. Unser Wissen bezieht sich selten ausschließlich auf unsere Profession.

Du sparst viel Zeit, die Du in Deinem Unternehmen sinnvoller einsetzen kannst. Mit einem professionellen Auftritt bringst Du Dein Unternehmen außerdem schneller voran. Es wird schneller und besser sichtbar. Dir fällt es leichter, Dinge selbst zu gestalten, weil die Grundlagen vorgegeben und stimmig sind. Das spart Zeit und erhöht Deinen Wiedererkennungswert. 

Zusammengefasst

  • Schlechte oder fehlende Reinzeichnung kostet dich am Ende mehr Zeit und Geld, als eine saubere Reinzeichnung vorher gekostet hätte – nur zu einem ungünstigeren Zeitpunkt.
  • Ein komplettes Corporate Design kostet dich, grob gerechnet, den Wert von 32 Stunden Arbeitszeit der Designerin deiner Wahl.
  • Es selbst zu machen, kostet dich, neben sehr viel mehr Zeit, oft auch deinen Wiedererkennungswert und damit deine Kunden.

Teile gerne Deine Erfahrungen mit mir und erzähle, was Du in der Zusammenarbeit mit mir oder meinen Kolleginnen erlebt hast. Ich freue mich auf Deinen Kommentar und werde gerne darauf antworten.

Dieser Artikel wurde am 15. September 2026 überarbeitet und um das Thema Reinzeichnung ergänzt.

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