
Heute, am 1. April 2025, tritt sie endlich in Kraft: Diese Verordnung wird Gestaltung und Typografie nachhaltig verändern und prägen. Ab heute bekommt die Comic Sans endlich die Wertschätzung, die sie wirklich verdient. Sie wird zur verpflichtenden Schriftart für alle Publikationen. Egal, ob online oder Druck. Gleichzeitig sorgt eine neue Rechtschreibregel für mehr Menschlichkeit und weniger Stress. Was in WhatsApp und ähnlichen Kanälen schon lange praktiziert wird, wird zur offiziellen Zeichensetzung. Satzzeichen werden dem neuen Ministerium für visuelle Freiheit zufolge ab jetzt immer mit einem Leerzeichen abgetrennt.
Beide Regeln zusammen sorgen für ein visuelles Ergebnis, welches so schnell niemand mehr vergessen wird.
Warum ausgerechnet Comic Sans?
In Designer:innen-Kreisen wurde diese Schriftart seit ihrem ersten Erscheinen 1995 verpönt und ist dort bis heute als „Amateur-Schrift“ verschrien. Da sie eine der ersten handschriftlichen System-Schriftarten ist, erfreut sie sich allerdings bis heute großer Beliebtheit bei typografischen Amateuren, die ihre „Layouts“ ein wenig „netter“ gestalten wollen.

Laut einer (nicht näher definierten und natürlich von niemandem wirklichen gelesenen) Studie fördert die Comic Sans das Wohlbefinden der Lesenden und weckt Kindheitserinnerungen an die schönen Zeiten mit ihren Comics. Unerfreuliche Mitteilungen lassen sich so leicht und fluffig verpacken. Des Weiteren ist sie für Menschen mit Leseeinschränkungen und Legasthenie durch ihre einfache und klare Struktur nachweislich besser lesbar.
Ein Regierungssprecher erklärt dazu: „Wir wollen sicherstellen, dass unsere Steuergeschenke an die Reichen und unsere Ignoranz gegenüber allen Minderheiten, Armen, Bedürftigen und den wahren Problemen in unserem Land auch wirklich für alle zugänglich sind. Natürlich werden wir das weiter so verklausulieren, dass man nur: ‚Wir haben die Lösung für all unsere Probleme. Also für oder gegen – je nachdem, Migration –‘ verstehen kann. Aber wenn dabei ein Hauch von Grundschule-Charme mitschwingt, wird das auch für die größten Kritiker nicht mehr zu bemerken sein.“
Auch die Marketingabteilungen sind begeistert von dieser Neuerung. „So wird Vertrauen aufgebaut und in die Zukunft gedacht. Endlich erkennt man direkt an der Schrift und der Interpunktion, wer unsere Arbeit macht. Eine Schrift, die zeigt, dass unsere Praktikanten die Einzigen sind, die sich hier abstrampeln.“
Eine bekannte Tech-Firma plant gleich ihr gesamtes Betriebssystem und alle darin enthaltenden Programme auf Comic Sans umzustellen. Für mehr Leichtigkeit am Arbeitsplatz soll es zudem als Begrüßungsmelodie beim Einschalten des Rechners immer „Don’t Worry, Be Happy“ abspielen. Für diese Funktion ist keine Möglichkeit der Abschaltung vorgesehen, versprach ein Mitarbeiter, schließlich sollen alle Menschen sofort gute Laune bekommen, wenn sie endlich an die Arbeit dürfen.

Die neue Satzzeichen-Regelung
Um die neue Lockerheit im Umgang mit der Typografie zu unterstreichen, wird gleichzeitig noch die Interpunktionsregel völlig neu definiert. Vorbei sind die Zeiten, in denen Punkte an Buchstaben klebten. Jetzt gibt es endlich mehr Weißraum für alle. Ziel ist es, dem Auge mehr Ruhe und kleine Pausen zu verschaffen. Außerdem ist es eine weitere Möglichkeit, sich den Menschen in den sozialen Medien anzubiedern, die viel auf die deutsche Kultur geben und sie großen Gefahren durch „übermäßige Migration“ ausgesetzt sehen, bedauerlicherweise aber im Deutschunterricht immer Kreide holen waren. Diese neue Regelung gilt für alle Satzzeichen. Ausrufungszeichen dürfen zudem nicht mehr allein stehen und müssen wenigstens durch eine Eins ergänzt werden. Es gilt also beispielsweise:

„ Alles Fake News !!!11!! Informiert disch mal korrekt . 🤡 “
„Ich hatte Grafikdesign studiert , daß hier ist ein Katastrofe !“
Einer Empfehlung der Regierung nach sollte man sogar doppelte Leerzeichen verwenden. So wird maximale Entspannung gewährleistet.
„Die Menschen brauchen Raum, um zu atmen — auch auf dem Papier.“ (Offizielle Pressemitteilung des Ministeriums für Visuelle Freiheit)
Was passiert bei einem Verstoß?

Wer sich weigert, die neuen Regelungen umzusetzen, muss mit drakonischen Strafen rechnen:
Logo in Papyrus.
Für Agenturen, Firmen und Einzelunternehmende gilt, wenn sie weiter Schriften großer Schriftsetzer wie Helvetica, Garamond und Chancery verwenden, dass sie ihr Logo in der wunderschönen Schrift „Papyrus“ setzen lassen und dieses ein Jahr lang verwenden müssen. Die Kosten für diese Anpassung müssen die Firmen natürlich selbst tragen.
Workshop-Zwang.
Wiederholungstäter:innen müssen einen 8-stündigen „Comic Sans Awareness Workshop“ absolvieren, bei dem sie sich erst die neuesten Fotos von Essen auf dem Handy von Frau Markus Söder ansehen müssen. Anschließend geht es weiter mit einem Intensiv-Framing-Training mit dem Mann von Charlotte Merz. Hier wird nochmal deutlich erklärt, warum andere Schriften als die Comic Sans ein deutliches Symbol für den moralischen Verfall der Gesellschaft sind und dass Linke nicht alle Tassen im Schrank haben. Danach folgt ein weiterer Vortrag mit dem Mann von Charlotte Merz, der in einem Maßanzug über Leistungsethik referiert — in einer PowerPoint-Präsentation, komplett in 48pt Comic Sans und animierten Cliparts. Um den Leistungsgedanken maximal authentisch darzustellen, werden die geplanten 8 Stunden für diese Veranstaltung natürlich maßlos überzogen.
Typografie-Pranger.
Für Menschen, die diese Folter überstanden haben und sich weiter den neuen Regelungen widersetzen, wird eine neue Website aufgesetzt. Auf dieser wird dann ihr Firmenname in Rot blinkendem Text auf neonfarbenem Hintergrund und von verschiedenfarbigen laufenden Ameisen umringt, erscheinen. Als besonderes Highlight werden auch noch alle zur Verfügung stehenden Schatteneffekte auf die Buchstaben angewendet.
Die ultimative Strafe.
Nach dreimaligem Verstoß gegen die neuen Regeln gilt die absolute Höchststrafe. Die Hölle für alle, die je auch nur ansatzweise versucht haben, professionell zu gestalten. Für sie gilt: Ein lebenslanges Verbot für die Nutzung von ernsthaften Gestaltungsprogrammen, wie Adobe CC oder den Affinity Programmen, und die Verpflichtung, in Zukunft nur noch WordArt zur Gestaltung zu nutzen.
Was sagt die Design-Community?

Wie so oft ist sie gespalten. Aus der Branche sind verschiedene Stimmen zu hören und zu lesen. Die einen feiern die neuen Regelungen als längst überfällige Demokratisierung des Designs. „Endlich weg mit dieser Verbotspolitik der Grünen!“, wird ein Verfechter der neuen Regeln zitiert. „Andere Schriften zu nutzen ist so Jahr 2.000. Das machen doch eh nur Menschen über 30“, erklärt ein junger Studierender der Gestaltungstechnik an der Universität.
Es gibt aber auch die Menschen, die sich durch diese neuen Regeln in ihrer Gestaltungsfreiheit eingegrenzt fühlen und sich daran erinnern, dass schon durch die Wahl der Schriftart eine Botschaft kommuniziert wird. Gerüchteweise ist von einer Art Untergrundbewegung zu hören, die sich Tattoos mit „Helvetica forever“ oder dem Bild von Claude Gramonde stechen lassen. In den sozialen Netzwerden kursieren bereits Protestplakate, die komplett in klassischen Schriftarten wie Bodoni, Didot oder Frutiger gesetzt sind. Die Bewegung nennt sich „Sans Resistance“ und vertreibt bereits im großen Stil eine eigene Merch-Kollektion, um von dem Erlös Tassen nach Berlin zu schicken. Äh, nein, Entschuldigung, das war eine andere Protestaktion. Sie schicken natürlich Bleibuchstaben und Vakantseiten an das neu gegründete Ministerium für visuelle Kommunikation.
Fazit: Willkommen in der neuen Design-Typografie-Realität
Ob Du diese neuen Regelungen als kreativen Befreiungsschlag oder als das Ende der Designwelt sehen möchtest, darfst Du entscheiden. Sicher ist: Die Zukunft der Typografie und des Designs bleibt bunt, verspielt und kreativ. Also, ran an die Layouts.
Und die Leerzeichen nicht vergessen ! Und, wenn alles schief geht , wird WordArt Deine Rettung sein .
Post Scriptum
Hatte ich erwähnt, welches Datum heute ist? Diese ganze Idee ist mein Betrag zum 1. April. Ich hoffe, Du hattest auch so viel Spaß beim Lesen wie ich beim Schreiben.