Warum die Entscheidung, weniger anzubieten, mein Business vorangebracht hat.

 In Selbst & Ständig

Als ich meine Blogparade „Welche mutige Entscheidung hat Dein Business vorangebracht?“ gestartet habe, war schnell klar, worüber ich selbst schreiben möchte.

Es gab in meiner Selbstständigkeit viele Entscheidungen: die Gründung, neue Kund*innen, Weiterbildungen oder große Projekte. Doch keine hat mein Business so nachhaltig verändert wie die Entscheidung, mein Angebot zu verkleinern.

Sie fühlte sich damals wie ein Rückschritt an. Heute weiß ich, dass sie genau das Gegenteil war.

Wenn Du selbst einen Blog hast, freue ich mich übrigens sehr, wenn Du an der Blogparade teilnimmst und Deine eigene Geschichte erzählst. Alle Informationen findest Du im Aufruf zur Blogparade. → Blogparade: Welche mutige Entscheidung hat dein Business vorangebracht?

Ich kann vieles und genau das war das Problem

Mediengestaltung und Grafikdesign sind riesige Felder, auch wenn das auf den ersten Blick gar nicht so wirkt. Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich zu spezialisieren. Und dann kam noch das Internet mit seinen eigenen Disziplinen dazu. Ich habe eine Zusatzausbildung zur Social Media Managerin gemacht, mir Webdesign beigebracht und mein Angebot immer weiter ausgebaut. Je mehr ich konnte, desto länger wurde die Liste der Dinge, die ich anbieten konnte.

Gleichzeitig wuchs aber auch das Gefühl, von allem etwas zu können, ohne in einem Bereich wirklich tief einzutauchen.

Warum „alles anbieten“ zunächst sinnvoll erschien

Als ich mich selbstständig gemacht habe und später mein Angebot erweitern wollte, bin ich genau in diese Alles-anbieten-Falle getappt. Ich hatte gerade die Zusatzausbildung zur Social Media Managerin abgeschlossen und war begeistert. Eine Kollegin meinte außerdem, Print werde bald an Bedeutung verlieren. Also brachte ich mir auch noch Webdesign bei. Nicht in einer weiteren Ausbildung, sondern einfach, weil ich es lernen wollte.

Warum sollte ich nicht alles anbieten, was ich konnte? Irgendjemand würde es schon brauchen. Mein Bankkonto machte schließlich keinen Unterschied zwischen einem Social-Media-Auftrag und einer Reinzeichnung.

Ich schon.

Die Entscheidung, die sich wie ein Rückschritt anfühlte

Nein, es ist mir nicht egal. Ich will etwas machen, was mich begeistert. Denn dann, und nur dann, kann ich mit voller Energie arbeiten und richtig gute Ergebnisse erzielen. Aber arbeite ich so, wie ich eigentlich arbeiten möchte? Will ich wirklich für all diese unterschiedlichen Dinge bekannt sein?

Anfang dieses Jahres habe ich meinen Jahresrückblick für 2025 geschrieben. Dafür bin ich alle Projekte noch einmal durchgegangen und habe meine Notizen gelesen. Nach fast jedem Auftrag halte ich fest, was gut gelaufen ist und was ich beim nächsten Mal anders machen würde. Eigentlich wollte ich daraus nur Material für einen Blogartikel sammeln.

Stattdessen habe ich etwas ganz anderes entdeckt.

Der kleine Teufel auf meiner Schulter kann ein ganz schön hartnäckiger Gegner sein. Fieser kleiner Freund. Während ich meine Notizen las, stellte ich mir immer wieder dieselben Fragen: Was macht mir eigentlich am meisten Spaß? Welche Aufgaben würde ich mit derselben Begeisterung nachts um drei wie morgens um fünf erledigen? Wofür möchte ich angesprochen werden? Und mit welchen Kund*innen möchte ich genau diese Begeisterung teilen?

Kaum waren diese Fragen da, plapperte der kleine Teufel auch schon los. „Wenn Du Dein Angebot reduzierst, verlierst Du Kundinnen. Wenn Du Kundinnen verlierst, verdienst Du weniger Geld. Und wenn Du weniger Geld verdienst …“ Er legte noch nach: „Wir schreiben das Jahr 2026. Es will doch sowieso niemand mehr etwas drucken. Und wenn doch, macht man sich das mit KI oder irgendeinem Online-Tool eben selbst.“

Tja.

Was ich losgelassen habe

Social Media habe ich immer mehr als Mittel zum Zweck gesehen. Inzwischen nutze ich es sogar wieder häufiger. Als Politikerin, an diesen Rollentitel muss ich mich immer noch gewöhnen, hilft es mir, mitzubekommen, was gerade passiert. Als Selbstständige ist es ein guter Weg, sichtbar zu werden und zu bleiben. Privat überlege ich dagegen sehr genau, was ich dort von mir preisgeben möchte.

Als Dienstleistung wollte ich Social Media aber nicht mehr anbieten. Den kleinen Teufel davon zu überzeugen, war noch vergleichsweise einfach.

Schwieriger wurde es bei Webseiten. Mal eben eine Website bauen oder meine eigene in einer Nacht-und-Nebel-Aktion umzustellen, kann ich längst. Das habe ich auch für Kund*innen gemacht. Für mich selbst macht das manchmal sogar Spaß. Aber das ganze Gedöns mit Plugins, Datenschutz, Funnels und allem, was dazugehört, kostet mich mehr Energie, als es mir gibt.

Der kleine Teufel wurde nervös. Schließlich hatte ich viel Zeit investiert und mir all dieses Wissen erarbeitet. Das konnte ich doch nicht einfach aufgeben. Aber musste ich das überhaupt? Das Wissen verschwindet ja nicht. Ich habe immer noch meine eigene Website, die gepflegt werden will. Und es gibt die Website des → Kreisverbands BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Solingen, an der ich ebenfalls mitarbeite.

Nur weil ich etwas kann, muss ich es nicht anbieten.

Am Ende blieb das, was ich ursprünglich einmal gelernt habe: Mediengestaltung. Doch auch das ist ein riesiges Feld. Webdesign gehörte schon damals dazu. Genauso wie große Präsentationen für Unternehmen, umfangreiche Konzepte und jede Menge heiße Luft für noch mehr Geld. Auch das habe ich gemacht und mich dabei nie wirklich wohlgefühlt.

Das brachte den kleinen Teufel endgültig an meinem Verstand zweifeln. Schließlich ist das doch der glamouröse Teil des Grafikdesigns. Präsentationen, die bis morgens um drei vorbereitet werden, um dann um sieben vom Chef für Mist erklärt zu werden. Also wird alles innerhalb einer Stunde neu zusammengebastelt, damit der Chef um neun geschniegelt seinen Latte Macchiato trinken und die Präsentation halten kann. Und wenn die Kund*innen wenig begeistert sind, liegt das natürlich an den völlig übermüdeten Mitarbeitenden.

Spätestens da hatte der kleine Teufel endgültig genug.

Je länger meine Not-to-do-Liste wurde, desto klarer wurde mir, was auf meine To-do-Liste gehört: Meine Leidenschaft für ordentliche Druckdaten. → Druckdaten-Check & Optimierung


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Die Angst, Aufträge zu verlieren

Ab mit dem kleinen Teufel in die Notaufnahme. Diese Entscheidung war eindeutig zu viel für den kleinen Kerl. „Dann kannst Du die Selbstständigkeit auch direkt an den Nagel hängen“, war seine feste Überzeugung. „Sobald Du öffentlich sagst, dass Du Dein Angebot verkleinerst, sind alle Kund*innen weg. Einfach alle. Komplett.“

So übertrieben seine Panik war, ganz unrecht hatte er nicht. Natürlich würden dadurch Aufträge wegfallen. Wahrscheinlich sogar einige. Aber vielleicht war genau das der Preis, den ich zahlen musste, um wieder mit Freude zu arbeiten.

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, eine Entscheidung trotzdem zu treffen.

Wenn mich das Jahr 2025 etwas gelehrt hat, dann dies: Die Entscheidungen, die sich im ersten Moment nach völligem Wahnsinn anfühlen, sind oft die, die uns am weitesten voranbringen. → 2025 – Ein Jahr, das mich wachsen ließ

Was durch die Spezialisierung möglich wurde

Diese Entscheidung hat mein Hirn frei gemacht. Plötzlich musste ich nicht mehr tausend Dinge im Blick behalten und ständig aufpassen, den Anschluss nicht zu verlieren. Ich durfte mich auf ein Thema konzentrieren. Und das war unglaublich befreiend.

Auf einmal wurde vieles einfacher. Meine Ideen für das Marketing wurden klarer. Ich wusste endlich, worüber ich schreiben wollte. Welche Projekte ich zeigen möchte. Und vor allem: Wofür ich eigentlich stehen möchte.

Es fielen nicht nur Aufgaben weg. Es verschwand auch das Gefühl, ständig allem gerecht werden zu müssen.

Früher konnte ich vieles. Heute werde ich für das angefragt, was ich am liebsten mache. Und genau das war die beste Entscheidung für mein Business.


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Die mutigste Entscheidung war das Weglassen

Dinge zu ändern oder bewusst wegzulassen stößt selten auf Begeisterung, weder bei anderen noch bei einem selbst. Meine Kundenkartei auszusortieren und einigen Kund*innen zu sagen, dass ich ihre Aufträge künftig nicht mehr übernehme, war einer der schwersten Schritte. Auch für mich.

Natürlich habe ich niemanden einfach stehen lassen. Ich habe alle an geschätzte Kolleg*innen vermittelt, von denen ich weiß, dass sie großartige Arbeit leisten. Und wenn jemand einen Rat braucht, eine gute Quelle sucht oder einfach jemanden zum Mitdenken, bin ich weiterhin gerne da.

Nur eben nicht mehr für alles.

Heute weiß ich: Diese Entscheidung war keine Absage an meine Fähigkeiten. Sie war eine Zusage an das, was ich wirklich machen möchte.

Ja, es war mutig. Aber vor allem war es längst überfällig.

Was ich weiter mache

Heute konzentriere ich mich auf das, was mich schon seit vielen Jahren begeistert: Gestaltung für Printmedien, Reinzeichnung und alles, was aus einer guten Idee eine druckfertige Datei macht.

Ich liebe es, Ordnung in komplexe Dokumente zu bringen, Druckdaten zu optimieren und dafür zu sorgen, dass Broschüren, Programmhefte oder Logos am Ende genauso aussehen, wie sie gedacht waren. Das sind oft die Dinge, die kaum jemand wahrnimmt, wenn sie gut gemacht sind und genau das macht für mich ihren Reiz aus.

Natürlich kann ich vieles von dem, was ich früher angeboten habe, noch immer. Aber ich muss nicht mehr alles anbieten, nur weil ich es kann.

Ich habe mich entschieden, das zu tun, was mir am meisten Freude bereitet und worin ich den größten Mehrwert für meine Kundinnen und Kunden sehe. Und genau deshalb fühlt sich mein Business heute leichter an als noch vor einem Jahr.

Mich interessiert jetzt Deine Geschichte: Welche mutige Entscheidung hat Dein Business vorangebracht? Wenn Du einen Blog hast, freue ich mich, wenn Du bei meiner Blogparade mitmachst und Deinen eigenen Artikel schreibst. Ich bin gespannt auf Deinen Blick auf das Thema. → Blogparade: Welche mutige Entscheidung hat dein Business vorangebracht?

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