Farbfächer mit Sonderfarben

Sonderfarben – Was ist denn das?

Woran denkst Du, wenn Du an Farben denkst? Ganz bestimmt an Druckfarben. Nein? Okay, verstehe ich. Doch wenn Du etwas mit Deinem Logo oder in Deinen Corporate Design-Farben drucken drucken willst, kommst Du um sie nur schwer rum.

Fangen wir mal bei Deinem Drucker zu Hause an. Darin sind in der Regel vier Patronen (Tintenstrahl-Drucker) oder Kartuschen (Laserdrucker). Das sind die Druckfarben, mit denen auch in Druckereien gearbeitet wird. Sie enthalten die Farben Cyan, Magenta, Yellow und Key (oder im Deutschen Kontrast). Wenn Du mehr darüber wissen willst, dann lies gerne meinen Blogartikel dazu (https://hilkebarenthien.de/rgb-vs-cmyk).

Warum gibt es Drucker mit mehr als vier Patronen?

Nun kann es sein, dass Du einen Drucker besitzt, der für die besonders gute Darstellung von Bildern gebaut wurde. Schwupps, hast Du noch einige Patronen mehr. Um die Farben besser darstellen zu können, wurden hier noch Abstufungen der Grundfarben eingesetzt. Diese Drucker lassen sich meist kalibrieren (einmessen) und so eine ziemlich genaue Darstellung dessen erzeugen, was nachher aus einer Druckmaschine rauskommen wird. Dazu wird auf dem Ausdruck eine Skala – der sogenannte Fogra-Keil – mitgedruckt, um zu sehen, ob in dem Probedruck eine Farbabweichung ist. Das Druckergebnis aus diesen kalibrierten Druckern nennt sich Proof. Das ganze Verfahren ist relativ aufwändig, die Messgeräte sind teuer und die Menschen, die sie bedienen können, ebenfalls. Falls Du Dich mal darüber wunderst, wenn jemand für einen „einfachen“ DIN A4-Ausdruck 50,00 € und mehr verlangt, dann ist es vermutlich ein solcher.

Nun haben wir unseren Proof und dackeln damit zur Druckmaschine. Solange wir uns im 4-Farbraum bewegen, ist alles fein. Es gibt immer noch Gründe, warum das Druckergebnis vom Proof abweichen kann. Falsch eingemessen kann einer sein. Die Papierwahl und die Trocknung sind nur zwei von zig anderen Ursachen. Grundsätzlich sollte das Druckergebnis plus/minus dem Proof entsprechen.

Den Digitaldruck nehme ich ab hier mal raus. Diese Maschinen sind – böse gesagt – Laser- oder Tintenstrahldrucker in groß. Allerdings können auch diese inzwischen Sonderfarben ziemlich gut simulieren.

Nun gibt es Farben, die sind aus den vier Grundfarben schlicht nicht darstellbar. Neon- und Metallfarben sind zwei gute Beispiele. Hast Du mal versucht Kupfer auf Deinem Tintenstrahldrucker zu drucken? Vergiss es. Es wird nicht funktionieren. Dafür gibt es Sonderfarben mit speziellen Farbpartikeln oder – im Fall Metalltönen – auch Folien, die heißgeprägt werden. Es gibt aber auch ganz „normale“ Farben als Sonderfarben, von Weiß bis Schwarz so ziemlich alles.

Wozu – die vier Grundfarben reichen doch, um alles zu mischen?!

Ja, nein, vielleicht. Beim Druck werden die vier Grundfarben aufgerastert der Reihe nach auf den Untergrund gebracht. Die Farben sind durchscheinend und so entsteht dann die gewünschte Mischfarbe auf dem Papier. Dabei kann man nur, wenn man Volltonfarben druckt – also zum Beispiel ein Blau aus 100% Cyan und 100% Magenta – einen satten leuchtenden Farbton erhalten. Sobald eine der Grundfarben nicht komplett gesättigt ist, wird das Druckergebnis weniger leuchtend. Will man ein Blau aus 100% Cyan und 50% Magenta drucken, nimmt man eine Sonderfarbe, um eine solche Leuchtkraft zu erhalten. Sie kommt fertig gemischt als fünfte Farbe in die Maschine.

Leuchtkraft

Neben der Leuchtkraft machen Sonderfarben für sehr kleine Schriften Sinn. Wie gesagt, die Grundfarben werden übereinander gedruckt. Wenn eine Farbe nicht ganz passend auf eine andere gedruckt wird, nennt man das Passerversatz (inzwischen nicht mehr ganz so häufig zu sehen). Das Druckergebnis wird dann unscharf und gerade kleine Schriften unlesbar. Deswegen werden für Zeitungsanzeigen etc. gerne Mindestschriftgrößen angegeben. Darauf kann man sich aber auch nur noch bedingt verlassen, weil bei modernen Schriften die Größen nicht mehr stimmen (mehr Infos zu Schriften findest Du hier: https://hilkebarenthien.de/schriften-machen-den-unterschied).

Kosten sparen

Beim Druck werden immer erst Farbauszüge erstellt, also die Grundfarben voneinander getrennt, um sie dann drucken zu können. Je nach Druckverfahren gibt es nachher einen Film, ein Sieb, eine Platte … pro zu druckende Farbe. In der Regel werden heute die Platten im Offsetdruck direkt belichtet.

Als ich gelernt habe, wurden erst noch Filme belichtet und dann die Platten. Keine Ahnung, wie viele Stunden meines Lebens ich damit zugebracht habe, Filme zu kontrollieren. Wenn diese Geräte einen schlechten Tag hatten, konnte es schon mal vorkommen, dass alle Umlaute weg waren, die Schrift nicht stimmte oder die Auszüge falsch waren (also alles, was schwarz sein sollte auf dem Cyan-Film, war zum Beispiel die Texte).

Jede Platte und jeder Film kostet Geld. Die Zeit, beides zu kontrollieren, ebenfalls. Je weniger Farben Du druckst, desto günstiger (kann) es werden. Wenn Du Deine Visitenkarten (https://hilkebarenthien.de/deine-visitenkarte) in Blau und Schwarz gestaltest, kannst Du – immer anhängig von Auflage und Druckverfahren – Geld sparen, indem Du für das Blau eine Sonderfarbe nimmst. Dann brauchst Du statt Cyan und Magenta für Dein Blau nur eine Farbe, eben diese Sonderfarbe.

Druckverfahren

Und es gibt Druckverfahren und Materialien, die sich meist nur mit Sonderfarben bedrucken lassen. Tampondruck ist ein Beispiel dafür. Auch wenn der Name es vermuten lässt, werden dafür keine Produkte aus der Damenhygiene verwendet, die Form ist allerdings ähnlich. Es sind Gummikeile, auf deren Spitze – ähnlich wie bei einem Stempel – das Motiv belichtet wird. Dieser Tampon wird dann erst auf die Farbe gedrückt, überschüssige Farbe wird abgestrichen und dann wird er auf das zu bedruckende Material gedrückt. Da der Tampon weich ist und sich dem Material anpassen kann, wird dieses Verfahren gerne für geformte Gegenstände wie zum Beispiel Tassen, Feuerzeuge und Kugelschreiber verwendet. Druckereien bieten in der Regel maximal zwei Farben im Tampondruck an. Das Verfahren wird zwar immer besser und immer genauer, doch noch ist es so, dass dabei oft ein Passerversatz entsteht.

Nun fragst Du Dich vermutlich, wie Du mit Sonderfarben drucken lassen kannst?

Deine Daten müssen richtig angelegt sein. Deine Corporate Design-Farben geben vor, welche Sonderfarben für Dich Sinn ergeben. Im Internet gibt es Tabellen, mit denen sich Farbtöne in alle Richtungen umrechnen lassen. Dein Logo solltest Du immer in RGB, CMYK, Schwarz/Weiß und in Sonderfarbe sowie in verschiedenen Dateiformaten vorhalten. Dann bist Du auf der sicheren Seite.

Programme wie Canva können keine Daten in Sonderfarben ausgeben, dazu braucht es professionelle Software und Expertenwissen. Einfach Klickibunti funktioniert dabei nicht.

Wenn Du dabei Hilfe brauchst, wende Dich gerne an mich. Ich stehe Dir mit Rat und Tat zur Seite und mache mich auch gerne mit Dir auf die Suche nach der passenden Farbe.

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