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Fernsehwerbung ist tot!

cKein Mensch schaut mehr Fernsehen.

„Das stimmt gar nicht …“ Ich kann ihn schon hören, den lauten Aufschrei. So ähnlich geht es mir jedesmal, wenn wieder jemand Print-Werbung tot redet oder schreibt. Da gibt es die festen Überzeugungen, dass Werbung in Printmedien keinen Sinn mehr mache, weil niemand mehr Zeitungen liest und sich diese auf Grund der Aktualität ihrer Inhalte eh besser zum Schuhe ausstopfen, Fensterputzen usw. eigenen würden. Content-Marketing macht viel mehr Sinn und Online-Werbung ist günstiger, besser zielgerichtet zu platzieren und zu korrigieren. Alles gute und auch total nachvollziehbare Argumente. Wäre da nicht diese lustige Truppe die sich Zielgruppe nennt. Und ja, ich mache Printwerbung und bin vermutlich nur bedingt objektiv.

Eine Kampagne für Alle.

Solange ich mich mit Werbung beschäftige und das ist schon eine Weile und auch schon Jahrzehnte vorher, betreiben Firmen und Agenturen immer wieder den Versuch dieselbe Kampagne weltweit auszurollen und scheitern bei diesem Versuch immer wieder ziemlich übel. Sie scheitern an der Zielgruppe, daran, dass sie zwar in allen Ländern weltweit grundsätzlich erst mal gleich definiert ist, sich dann aber doch unterscheidet.

Schau mal über den Tellerrand.

Einfach mal über den Tellerrand schauen hilft da ungemein.

Die Zielgruppe treffen

Nehmen wir mal die kleine, feine Metzgerei in der Fußgängerzone, die ihre qualitativ hochwertigen Waren gerne an die Einwohner der umliegenden Neubauten mit altengerechten Wohnungen verkaufen würde. Diese fitten, durchaus gebildeten und aktiven Senioren erreicht der findige Metzger sicher nicht über Content-Marketing. Dafür aber um so sicherer über eine Anzeige in der Tageszeitung oder im Stadtteilblatt. Egal wie internetaffin diese Menschen sein mögen, wenn es um den täglichen Bedarf geht, verlassen sie sich auf Vertrautes.

Einige der größeren Einzelhandelskette liefern zusätzlich zu den klassischen Wegen auch Content. Sie berichten über die Quellen ihrer Waren, geben Tipps für Geschenke oder liefern Rezepte. Ein Weg zusätzlich auf sich aufmerksam zu machen, aber fahre ich deswegen den weiteren Weg zu einem anderen Supermarkt?

Ich als Zielkunde

Nehmen wir mich als Zielkunde. Ende Dreißig, Mutter von zwei Kindern, zwar nicht verheiratet, aber so als ob, das perfekte Opfer für Content-Marketing. Der Metzger, der Obst- und Gemüsehändler und der Eis-Laden können mir Tonnen an Content liefern (oder es lassen), mich interessieren da ganz andere Sachen, damit ich auf ihr Angebot aufmerksam werde. Das sind übrigens auch nur sehr bedingt die Preise.

Geht es darum meine Kinder in den Ferien zu beschäftigen kann man mich schon eher mit Content-Marketing erwischen. Wenn es darum geht meine Firma weiterzuentwickeln bin ich definitiv Teil Deiner Zielgruppe.

Fernsehwerbung lebt doch!

Womit man mich auf gar keinen Fall erwischt, ist Fernsehwerbung. Ich gucke schlicht kein „normales“ Fernsehen. Zuhause haben wir schon lange gar keine Möglichkeiten mehr dafür und woanders bin ich um mich dort mit den Menschen zu beschäftigen. Wenn mein Sohn mir allerdings den aktuellen Slogan aus einer Discounter-Werbung um die Ohren haut, weiß ich eins: Werbung funktioniert!

Worauf ich hinaus will ist das ein Medium nicht gestorben ist, nur weil man selber es nicht (mehr) konsumiert und das man sich die Verhaltensweisen seiner Zielgruppe sehr genau aussehen muss, wenn man dieses oder jenes Werbemittel wählt. Das man aber nicht pauschal für alle sagen kann, ein Werbemittel ist tot und wenn man es nutzt, verbrennt man nur Geld. Was für den einen nicht funktioniert, kann für den anderen hervorragend funktionieren.

Wenn Du Deine Zielgruppe kennst, sie immer besser kennenlernst, Dir ihrer Bedürfnisse, Ängste und Träume, ihrer Einstellungen und Verhaltensweisen bewusst bist, funktioniert auch Deine Werbung. Dann weißt Du nämlich auch, welches Medium sie vorzugsweise konsumiert.

Printmedien aus anderer Sicht.

Eine Sache, die niemand hören möchte ist, das der pro Kopf Verbrauch an Papier in Deutschland zwar schwankt, aber seit Jahrzehnten auf einem ähnlich hohen Niveau ist. Was unter anderem darauf zurück zu führen ist, das sich die Menschen die Sachen einfach selber ausdrucken. Nehmen wir wieder unseren Metzger und nehmen an, er stellt seine Angebote nur noch als druckbares PDF online zur Verfügung. Also druckt Erna das PDF aus, schreibt wie immer für ihren Mann die nötigen Informationen dran und schickt ihn zum einkaufen. Nachhaltiger und vermutlich auch günstiger wäre es, wenn der Metzger einfach sein Angebot 1.000 mal drucken lassen würde. Allerdings wären dann der Papierverbrauch und die Kosten bei ihm. Und sein Sohn wäre böse, weil er sich Samstag auf die Straße stellen und die Flyer verteilen müsste. So gesehen macht er nur Gewinn, wenn er die Angebote online stellt. Wenn er seinem Sohn aber eine Aufstockung des Taschengeldes verspricht und dieser süße, junge Mann nicht nur die Flyer unters Volk bringt, sondern alleine durch die persönliche Ansprache beim Verteilen der selbigen Kunden in den Laden treibt?

Was in Kleinem mit dem Angebot des Metzgers läuft, läuft im Großen mit Anleitungen. In gebundener Versionen mitgeliefert landen sie in der Regel gemeinsam mit anderen in einer Schublade und warten darauf wieder gebraucht zu werden. Werden sie nicht mitgeliefert, werden sie oft ausgedruckt, dann vielleicht nur das gerade interessante Kapitel, aber was kosten schon Papier und Toner oft auch einfach das ganze Werk in all seinen Sprachen. Dann wird getan, was man gerade tun wollte und die Blattsammlung landet irgendwo auf dem Stapel im Büro, wird immer unvollständiger und kommt irgendwann in die Blaue Tonne. Und wenn die Müllabfuhr gerade weg ist, wird sie garantiert wieder gebraucht, wieder ausgedruckt …

Alles gibt es auch online.

Klar. Man findet alles, was man so im Leben zum Beispiel an Anleitungen braucht auch im Internet. Keine Frage. Inklusive Materialtipps und entsprechenden Bezugsquellen. Es gibt also keinen Grund sich beispielweise eine teure Heimwerker-Zeitschrift zukaufen. Doch jetzt mal Hand aufs Herz, nimmst Du dein Handy, dein Pad oder gar deinen Laptop mit auf eine Baustelle? Wohl eher nicht.

Online ist großartig. Social Media ist ein echter Gewinn.

Nun will ich der digitalen Welt gar nicht unrecht tun. Ich finde sie großartig und immer wieder spannend. Es gibt unendlich viele Menschen, die ohne sie vermutlich nie einen Weg in mein Leben gefunden hätte und auf die ich nicht verzichten mag. Und ich denke auch, das Firmen egal welcher Größe auf Dauer nicht darum rum kommen ihre Produkte auch online anzubieten und zu bewerben. Doch ich bin der festen Überzeugung, wenn man beide Wege schlau nutzt, erreicht man auch die Kunden in beiden Welten.

Wir stehen an Deiner Seite mit Rat und Tat und sagen Dir auch ehrlich, wenn wir ein Werbemittel für Deine Zwecke für ungeeignet halten.

Ich bin gespannt, was Du über dieses Thema denkst. Ist Printwerbung am Ende? Oder stellt sie für Dich einen Gewinn dar?

Sonnige Grüße

Hilke

P.S. Ich lese übrigens gerne gute Tageszeitungen und das Stadtteilblatt gehört zur wöchentlichen Pflichtlektüre. Zum einen ist es für mich Entspannung pur, mal nicht von links und rechts mit Werbung vollgeflackert zu werden, keine unqualifizierten Kommentare von Lesern unter den Texten zu haben und vor allem nicht auf einen Monitor zu starren. Zum anderen bekomme ich manche Dinge in unserer Stadt nur so mit. Außerdem denke ich, dass gute Journalisten auch gut bezahlt werden müssen, wenn wir nicht wollen, dass ein Blättchen, welches sich selbst schon lange nicht mehr als Zeitung bezeichnet, die Informationshoheit gewinnt. Von daher bin ich auch gerne bereit für gut recherierte Informationen zu zahlen.

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