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Fernsehwerbung ist tot!

Kein Mensch schaut mehr Fernsehen.

„Das stimmt gar nicht …“ Ich kann ihn schon hören, den lauten Aufschrei. So ähnlich geht es mir jedes Mal, wenn wieder jemand Printwerbung totredet oder -schreibt. Da gibt es die festen Überzeugungen, dass Werbung in Printmedien keinen Sinn mehr mache, weil niemand mehr Zeitungen liest und sich diese auf Grund der Aktualität ihrer Inhalte eh besser zum Schuhe ausstopfen oder Fensterputzen eignen würden. Content-Marketing macht viel mehr Sinn und Onlinewerbung ist günstiger, besser zielgerichtet zu platzieren und zu aktualisieren. Alles gute und auch total nachvollziehbare Argumente. Wäre da nicht diese lustige Truppe, die sich Zielgruppe nennt. Und ja, ich mache Printwerbung und bin vermutlich nur bedingt objektiv.

Eine Kampagne für Alle.

Länger als ich mich mit Werbung beschäftige – und das ist schon eine ganze Weile – betreiben Firmen und Agenturen immer wieder den Versuch, dieselbe Kampagne weltweit auszurollen und scheitern bei diesem Versuch meistens ziemlich übel. Sie scheitern an der Zielgruppe. Daran, dass diese zwar in allen Ländern weltweit gleich definiert ist, sich dann aber doch unterscheidet.

Schau mal über den Tellerrand.

Es hilft ungemein, Dir mehr Gedanken über sie zu machen.

Die Zielgruppe treffen

Nehmen wir mal die kleine, feine Metzgerei in der Fußgängerzone, die ihre qualitativ hochwertigen Waren gerne an die Bewohner der umliegenden Neubauten mit altersgerechten Wohnungen verkaufen würde. Diese fitten, durchaus gebildeten und aktiven Senioren erreicht der findige Metzger sicher nicht über Content-Marketing. Dafür aber umso wahrscheinlicher über eine Anzeige in der Tageszeitung oder im Stadtteilblatt. Egal wie internetaffin diese Menschen sein mögen, wenn es um den täglichen Bedarf geht, verlassen sie sich auf Vertrautes.

Einige der größeren Einzelhandelsketten setzen neben der klassischen Werbung auch auf Content-Marketing. Sie berichten über die Quellen ihrer Waren, geben Tipps für Geschenke oder liefern Rezepte. Ein Weg, zusätzlich auf sich aufmerksam zu machen, aber fahre ich deswegen den weiteren Weg zu einem anderen Supermarkt?

Ich als Zielkunde

Nehmen wir mich als Zielkundin. Ende Dreißig, Mutter von zwei Kindern, zwar nicht verheiratet, aber so als ob – das perfekte Opfer für Content-Marketing. Der Metzger, der Obst- und Gemüsehändler und das Eiscafé können mir Tonnen an Content liefern (oder es lassen), mich interessieren da ganz andere Sachen, damit ich auf ihr Angebot aufmerksam werde. Das sind übrigens auch nur sehr bedingt die Preise.

Geht es darum, meine Kinder in den Ferien zu beschäftigen, kann man mich schon eher mit Content-Marketing erwischen. Wenn es darum geht meine Firma weiterzuentwickeln, hast Du mich.

Fernsehwerbung lebt doch!

Womit man mich auf gar keinen Fall erwischt, ist Fernsehwerbung. Ich gucke schlicht kein „normales“ Fernsehen. Zuhause haben wir schon lange gar keine Möglichkeiten mehr dafür und woanders bin ich, um mich dort mit den Menschen zu beschäftigen. Wenn mein Sohn mir allerdings den aktuellen Slogan aus einer

Printmedien aus anderer Sicht.

Eine Sache, die niemand hören möchte, ist, dass der Pro-Kopf-Verbrauch an Papier in Deutschland zwar schwankt, aber seit Jahrzehnten auf einem ähnlich hohen Niveau ist. Was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass sich die Menschen die Sachen ausdrucken. Nehmen wir wieder unseren Metzger und nehmen an, er stellt seine Angebote nur noch als druckbares PDF online zur Verfügung. Also druckt Erna das PDF aus, schreibt wie immer für ihren Mann die nötigen Informationen dran und schickt ihn zum Einkaufen. Nachhaltiger und vermutlich auch günstiger wäre es, wenn der Metzger einfach sein Angebot 1.000-mal drucken lassen würde. Allerdings lägen dann der Papierverbrauch und die Kosten bei ihm. Und sein Sohn wäre böse, weil er sich Samstag auf die Straße stellen und die Flyer verteilen müsste. Was aber, wenn er seinem Sohn eine Aufstockung des Taschengeldes verspricht, und dieser freundliche, junge Mann nicht nur die Flyer unters Volk bringt, sondern alleine durch die persönliche Ansprache beim Verteilen der selbigen, Kunden in den Laden treibt?

Was im Kleinen mit dem  PDF des Metzgers läuft, geschieht im Großen mit Anleitungen. In gebundener Version mitgeliefert, landen sie in der Regel in einer Schublade und warten darauf, gebraucht zu werden. Werden sie nicht mitgeliefert, werden sie häufig ausgedruckt (oft das ganze Werk in all seinen Sprachen), dann vielleicht nur das gerade interessante Kapitel gelesen … aber was kosten schon Papier und Toner? Dann wird getan, was man gerade tun wollte, die Blattsammlung landet irgendwo auf dem Stapel im Büro  und kommt irgendwann in die Blaue Tonne. Und wenn die Müllabfuhr gerade weg ist, wird sie garantiert wieder gebraucht, wieder ausgedruckt …

Alles gibt es auch online.

Klar. Man findet alles, was man so im Leben an Anleitungen braucht, im Internet. Keine Frage. Inklusive Materialtipps und entsprechender Bezugsquellen. Es gibt also keinen Grund, sich eine teure Heimwerkerzeitschrift zu kaufen. Doch jetzt mal Hand aufs Herz: Nimmst Du Dein Handy, Dein Pad oder gar Deinen Laptop mit auf eine Baustelle? Wohl eher nicht.

Online ist großartig. Social Media ist ein echter Gewinn.

Nun will ich der digitalen Welt gar nicht unrecht tun. Ich finde sie großartig und immer wieder spannend. Es gibt unendlich viele Menschen, die ohne sie vermutlich nie einen Weg in mein Leben gefunden hätten und auf die ich nicht verzichten mag. Und ich denke, dass Firmen – egal welcher Größe – auf Dauer nicht darum herumkommen, ihre Produkte auch online anzubieten und zu bewerben. Doch ich bin der festen Überzeugung, wenn man beide Wege schlau nutzt, erreicht man auch die Kunden in beiden Welten.

Worauf ich hinaus will, ist, dass ein Medium nicht gestorben ist, nur weil man selbst es nicht (mehr) konsumiert und dass man sich die Verhaltensweisen seiner Zielgruppe sehr genau ansehen muss, wenn man dieses oder jenes Werbemittel wählt. Dass man aber nicht pauschal sagen kann, ein Werbemittel ist tot und wenn man es nutzt, verbrennt man nur Geld. Was für den einen nicht geht, kann für den anderen hervorragend funktionieren.

Wenn Du Deine Zielgruppe kennst, Dir ihrer Bedürfnisse, Ängste und Träume, ihrer Einstellungen und Verhaltensweisen bewusst bist, funktioniert auch Deine Werbung. Dann weißt Du nämlich auch, welches Medium sie vorzugsweise konsumiert.

Ich stehe mit Rat und Tat an Deiner Seite und sage Dir ehrlich, wenn ich ein Werbemittel für Deine Zwecke ungeeignet halte.

Ich bin gespannt, was Du über dieses Thema denkst. Ist Printwerbung am Ende? Oder stellt sie für Dich einen Gewinn dar?

Sonnige Grüße

Hilke

P.S. Ich lese übrigens gerne gute Tageszeitungen und das Stadtteilblatt gehört zur wöchentlichen Pflichtlektüre. Zum einen ist es für mich Entspannung pur, mal nicht von links und rechts mit Werbung vollgeflackert zu werden, keine unqualifizierten Kommentare von Lesern unter den Texten zu haben und vor allem nicht auf einen Monitor zu starren. Zum anderen bekomme ich manche Dinge in unserer Stadt nur auf diesem Weg mit. Außerdem denke ich, dass gute Journalisten auch gut bezahlt werden müssen, wenn wir nicht wollen, dass ein Blättchen, welches sich selbst schon lange nicht mehr als Zeitung bezeichnet, die Informationshoheit gewinnt. Von daher bin ich auch gerne bereit, für gut recherchierte Informationen zu zahlen.

P.P.S. Dieser Artikel ist meine Antwort auf den Artikel von Gero Pflüger: https://www.geropflueger.de/content-marketing-wichtiger-als-drucksachen/

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